Black Friday, morgens um 7 Uhr, der Radiowecker startet mit dem gewöhnlichen Weltuntergang bis ein bayrischer Politiker mich zum Lachkoller bringt: "Die Menschen sollen mal wieder in die lokale Einkaufsmeile gehen, weil da kann man ja auch ganz schöne Dinge einkaufen, statt alles aus China zu bestellen. So stärkt man die hiesige Wirtschaft." Mein lieber Gesangsverein, wann war der Herr denn das letzte Mal in einer Stadt einkaufen? Nicht in München, Hamburg, Köln oder Berlin – sondern in einem gewöhnlichen Mittelzentrum?
Fachhandel? Wenig. Ein paar traurige Überbleibsel netter Läden, die alle am Existenzminimum krebsen und durch einen zahlungskräftigen Lebenspartner überleben. Daneben Ramschläden bekannter Ketten, die online nicht vertreten sind, aber durch superbilliges Sortiment ihren Reibach machen. Ein kleines Geschenk für die nächste Geburtstagsfeier nötig? Billiger Ramsch made in China tut dem Portemonnaie nicht weh, also her damit. Kommen wenigstens nicht auch noch Versandkosten drauf.
Wer etwas Spezielles sucht, braucht diese Einkaufsmeilen nicht abklabastern: Es findet sich garantiert nichts. Da hilft, mein lieber bayrischer Politiker nur der Blick ins Internet. Wenn man Glück hat, ist mit einem Click wirklich das Gewünschte im nächsten Paket. Ehrlich gesagt, ist man heutzutage online auch länger unterwegs: Denn auch in Onlineshops macht sich die Chinaflut billiger Ramschware breit. Nicht nur bei den öffentlich angeprangerten China-Anbietern. Nein, viele Onlineshops tun auf fein, haben tolle Markennamen im Programm – und am Ende ist wieder nur Chinaschrott im Paket: nur hübscher verpackt und teurer gekauft. Produktionen aus deutschen Manufakturen sind in der Konsumgüterindustrie absoluter Seltenheitswert. Muss man mit der Lupe suchen. Aber das ist eine andere Geschichte ...